Industrie-Dynastien in NRW - Die OetkersEin
Film von Manfred Oldenburg
Redaktion: Matthias Kremin
Freitag, den 5. Oktober 2007, 20.15 bis 21.00
Uhr
Am Anfang steht eine
geniale Idee: Backpulver in kleine Tütchen verpackt,
anstelle der üblichen losen Ware. Das Rezept gibt es
gratis auf der Rückseite dazu und ab sofort gelingt der
Hausfrau der Sonntagskuchen immer.
Mit diesem ersten Verkaufsschlager setzte der
Bielefelder Apotheker Dr. August Oetker 1891 den
Grundstein für ein Familienunternehmen, dessen Erfolg in
Deutschland ohne Beispiel ist. 98 Prozent der Deutschen
wissen etwas mit dem Namen Oetker anzufangen. Doch dass
Pudding und Backpulver längst nicht mehr den Hauptteil
ihrer Unternehmungen ausmachen, wissen nur wenige. Noch
weniger ist über die Familie selbst und die schweren
Schicksalsschläge bekannt, welche die wirtschaftliche
Erfolgsgeschichte stets begleitet haben.
Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen die vier
Unternehmerpersönlichkeiten, die es geschafft haben,
dass das Unternehmen Dr. Oetker in teils schweren und
sehr bewegten Zeiten ein Familienunternehmen geblieben
ist. Schon der Firmengründer Dr. August Oetker, der das
Unternehmen fast 30 Jahre erfolgreich leitet, muss den
ersten großen Schicksalsschlag der Oetkers hinnehmen:
1916 stirbt sein Sohn Rudolf Oetker - der designierte
Firmenerbe - auf den Schlachtfeldern von Verdun. Dieser
Schlag trifft Dr. August Oetker so schwer, dass er zwei
Jahre später im Alter von nur 56 Jahren stirbt. Damit
scheint auch sein Traum, die Gründung einer
Familiendynastie, am Ende zu sein. Denn der nächste
Konzernerbe Rudolf-August Oetker, der Sohn des in Verdun
gefallenen Rudolf Oetker, ist zu diesem Zeitpunkt gerade
einmal zwei Jahre alt. Gerettet wird das Unternehmen
schließlich durch Richard Kaselowsky, einem Jugendfreund
des verstorbenen Rudolf Oetkers, der das Unternehmen in
der bewegten Zeit von 1918 bis 1944 treuhänderisch für
Rudolf-August Oetker leitet und ausbaut.
Doch 1944 trifft die Familie Oetker der nächste
schwere Schlag: Bei einem Bombenangriff stirbt Richard
Kaselowsky. Nun muss der gerade einmal 28-jährige
Rudolf-August Oetker - ganz auf sich allein gestellt -
das Unternehmen in dieser schwierigen Zeit übernehmen
und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufbauen. Es folgt
eine einzigartige Erfolgstory: Rudolf-August Oetker baut
das Unternehmen zu einem der größten und erfolgreichsten
Konzerne in Deutschland aus, der längst nicht mehr nur
Backpulver und Pudding produziert, sondern einen
Großteil der Gewinne in der Schifffahrt, mit Bier- und
Sektmarken sowie mit Banken, Hotels und einer
Versicherung erwirtschaftet. Doch auch Rudolf-August
Oetker hat einen schweren Schicksalsschlag zu
verkraften: 1976 wird sein Sohn Richard Oetker entführt
und schwer verletzt. Erst gegen eine gigantische
Lösegeldzahlung kommt er frei. Zum ersten Mal äußert
sich Richard Oetker in dieser Dokumentation selbst
ausführlich zu dem Verbrechen, unter dessen Folgen er
bis heute leidet.
Seit 1991 steht Dr. h.c. August Oetker, der älteste
Sohn Rudolf-August Oetkers, an der Spitze des Konzerns,
den er in Zeiten der Globalisierung sehr erfolgreich
führt. Zusammen mit seinen Geschwistern blickt er auf
die einzigartige Erfolgstory des Konzerns Dr. Oetker
zurück, erläutert wie es die Oetkers geschafft haben,
dass das Unternehmen nun schon seit vier Generationen in
Familienhand ist und was es heißt, mit dem bekanntesten
Namen Deutschlands zu leben.
Dank Interviews mit den
Oetker-Familienmitgliedern August Oetker, Richard Oetker
und Rosely Schweizer, den Einschätzungen des
Wirtschaftsjournalisten und Oetker-Biographen Rüdiger
Jungbluth, Statements von ehemaligen Mitarbeitern sowie
bisher nie gesehenem Archivmaterial, gelingt es Autor
Manfred Oldenburg in der Dokumentation, erstmals die
spannende und bewegte Geschichte der Familie und des
Konzerns Oetker von der Gründung 1891 bis heute
ausführlich zu beleuchten.
|