Aussenansicht

Unter dem für ein Kino nicht eben alltäglichen Namen "Melodie" wird heute (15. Oktober 1954) als Nachfolger der alten "Schauburg" ein neues Lichtspielhaus eröffnet. Der wuchtige Bau gibt dem Platz an der Einmündung der Hauptstraße in die Gütersloher Straße ein markantes Gepräge. In der erstaunlich kurzen Bauzeit von rund einem Vierteljahr erstand er unter der Leitung des Architekten, Diplom-Ingenieur Ernst-Otto Roßbach, der auch das im Vorjahr eingeweihte "Zentral-Theater" schuf.

Innenansicht

Der Innenraum mutet noch wärmer an als dessen bewußt in ländlichem Stil gehaltener Säulensaal. Von eigenartiger Schönheit ist seine unsymetrische Form. Während die mit Azella bespannte, freundlich getönte rechte Seitenwand rechtwinklig mit der aus Akustikplatten getäfelten Decke abschließt, rundet sich diese in sanfter Wölkung zur linken Seitenwand ab. Das Theater weist ein angenehmes Gefälle auf. die auf Lücke angeordneten 480 Sitzplätze tragen türkisblaue Hochpolster.

Innensicht 2

Auf die pastellzarte Tönung der Wandflächen ist der orangefarbene Vorhang geschmackvoll abgestimmt. Automatisch bedient, gibt er eine fünf mal elf Quadratmeter größe Leinwandfläche frei, die in ihrer Breite die ganze Bühne ausfüllt und die Wiedergabe von CinemaScope-Filmen gestattet.

Im Vorführraum 2 Projektoren

Die Besucher können sich von der vorzüglichen Akustik des Saales, sowie von der erstklassigen Arbeit des modernen Vorführgerätes überzeugen.

Anmerkung:
Erstausstattung des Vorführraumes: 2 Frieseke & Höpfner-Projektoren, Modell FH 66
Auf dem Foto: 2 x Frieseke & Höpfner-Projektoren FH 99 mit 4-Kanal-
Magnettonabtastung



Hermann Kürschner & Walter Metzger
im Vorführraum der Melodie (Anfang der 60er Jahre)



Die Filmvorführerin Elisabeth Kürschner im Foyer der "Melodie"
(1966 neben der Werbetafel des Films "Winnetou und sein Freund Old Firehand")



Elisabeth Kürschner am "Sarotti"-Süsswarenstand neben der Kasse.

Die

Die "Melodie" aus der Luft   (ca. 1963)
im Vordergrund: die Kreuzung Hauptstraße/Gütersloher Straße


Einige Gegenstände aus der Kinozeit haben überlebt:
Die Bedienungsanleitungen der Frieseke & Höpfner-Filmprojektoren, alte Versandaufkleber der Wochenschauen, Programmhefte mit dem Kinostempel. In einer Kammer neben dem Vorführraum überdauerten 112 Wochenschauen der Jahre 1964 - 1967, wie auch die Filmplakate und Filmfotos des "Constantin-Filmverleih" der zwischen 1964 und 1969 gespielten Filme.
Melodie Reliquien

Die "Melodie" wurde Mitte der 50er Jahre für die "erfolgreiche Einführung des CinemaScope-Bildformates" (1:2,35) vom Präsidenten der "20th Century-Fox" mit einer bronzenem Tafel auf Eichenholz ausgezeichnet.
20th Century-Fox Bronzetafel

Die "MELODIE" beendete ihr Programm im Juni 1970. Danach wurde das Gebäude Hauptstraße 203 zur Discothek "EURO-CLUB", folgend zum "B-MOVIE". Anschließend folgten über 14 Jahre Leerstand. Im Herbst 2005 zieht die Deutsche Post AG mit ihrer Briefverteilung und den Postschließfächern ins alte MELODIE-Gebäude ein. Ein Blick in den ehemaligen Kinosaal zeigt die Trostlosigkeit der Baustelle im August 2005.
Alter Melodie-Kinosaal - Baustelle

Komplett renoviert und umgebaut wurde 2005 aus der "Melodie" das Verteilzentrum Süd der Deutschen Post AG.
Umbau 2005 von der DP

Fotoalbum